Ortsvereinsgeschichte seit 1907

Aus der Geschichte des SPD-Ortsvereins bis 1914

Am 25.März 1876 erschien der 24jährige Zigarrenmacher Anselm Feineis im Höchberger Rathaus und meldete bei Bürgermeister Emil Feineis für den nächsten Tag eine Volksversammlung der Sozialdemokratischen Volkspartei im Gasthaus zum Greifen an. Damit begann eine Reihe sozialdemokratischer Aktivitäten in Höchberg, wo viele Arbeiter des nahen Sandsteinbruchs lebten. Trotz der kritischen Beobachtung durch die Polizei, wollten am 26. Juni 1876 schon mehr als 60 Männer aus Höchberg und Würzburg an der nächsten Versammlung teilnehmen. Bis zum Sommer 1878 folgten vier weitere öffentliche Versammlungen mit bis zu 200 Teilnehmern in Höchberg. Dann wurden alle weiteren Aktivitäten durch Bismarcks Sozialistengesetz unterdrückt. Dennoch fanden auch in Höchberg weiterhin illegale Treffen statt, wie Anselm Feineis später berichtete.

Wofür setzten sich diese Leute unter Androhung von schweren Strafen ein?

Sie kämpften für * ein allgemeines, freies, gleiches und direktes Wahlrecht, auch für Frauen, * die Presse- und Versammlungsfreiheit, * die allgemeine Schulpflicht und kostenlosen Schulbesuch, * eine unabhängige Justiz, * die Koalitionsfreiheit, den Normalarbeitstag und Aufhebung der Sonntagsarbeit, * Arbeitsschutzgesetze.

All diese Ziele sind heute für viele selbstverständlich. Damals aber wurde man für diese Ideen von seinen Fabrikherrn entlassen. Dies erklärt, warum der Ortsverein am 23.11.1890 nach Aufhebung des Sozialistengesetzes gegründet, aber bereits am 4.4.1896 wieder aufgelöst wurde. Familienvätern musste die Ernährung ihre Familien wichtiger sein. Erst am 25.8.1907 gelang es, die Zahl der Mitglieder auf 20 zu erhöhen und einen eigenen Ortsverein zu gründen .Erster Vorsitzender war von 1907 bis 1910 der Steinmetz Johann Ruppert.

Gründungsprotokoll

Gründungsprotokoll

Die Höchberger SPD von 1914 bis 1933

Mit dem Ausbruch des ersten Weltkriegs, kam das Parteileben der SPD fast völlig zum Erliegen. Viele Sozialdemokraten wurden eingezogen, und wie viele Höchberger kehrten zahlreiche von ihnen niemals aus dem Krieg zurück.

Die Meinungsverschiedenheiten innerhalb der SPD über die Stellung zum imperialistischen Weltkrieg führten 1917 zur Spaltung der Arbeiterbewegung. Auch in Höchberg gab es ab Frühjahr 1919 zwei Arbeiterparteien: Die Mehrheitssozialdemokraten (MSPD) und die Unabhängigen Sozialdemokraten (USPD). Die Organisation der Sozialdemokraten erfolgte zunächst in zwei Ortsvereinen. Nach Zusammenschluss von MSPD und USPD 1922 wurde am 11.2.1923 von 55 anwesenden Mitgliedern mit Kaspar Hupp ein neuer Vorsitzender gewählt.

Obwohl die meisten Sozialdemokraten in Würzburg arbeiteten und jeden Tag meistens zu Fuß diese Strecke bewältigten, fanden sie die Kraft, in den Folgejahren für die Ziele der Arbeiterbewegung zu werben.

Unter dem langjährigen Ortsverein- und Fraktionsvorsitzenden Johann Stumpf vergrößerte sich der Ortsverein auf 100 Mitglieder. 1932 wurde die Sozialistische Arbeiterjugend auch in Höchberg gegründet. Sie umfasste 28 Mitglieder. Mit aller Kraft stemmte sich die SP D gegen die stärker werdenden radikalen Parteien KPD und NSDAP. Das Vereinshaus der Turngemeinde war dabei ein starkes Bollwerk der freien Arbeiterbewegung Höchbergs. Zum Schutz gegen den Terror der Nationalsozialisten durch die SA wurde 1932 von Sozialdemokraten, Gewerkschaftlern und Mitgliedern der Turngemeinde die "Eiserne Front" gegründet. Sie hatte über 100 Mitglieder; ihr Hauptgegner hieß Adolf Hitler. Zu Zusammenstößen zwischen SA und Eiserner Front ist es in Höchberg nicht gekommen. Bis zuletzt hat auch die Höchberger Sozialdemokratie gegen den Nationalsozialismus gekämpft!

Die Höchberger Sozialdemokraten während der nationalsozialistischen Herrschaft

Die Höchberger SPD konnte am Vorabend der Reichstagswahl vom 5. März 1933 eine letzte Versammlung in der Turnhalle organisieren. Am 13. März 1933 wurden das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, die "Eiserne Front" und die Sozialdemokratische Arbeiterjugend verboten. Am 7. April folgte die Gleichschaltung der Gemeinden, der Bezirks- und Kreistage. Der bisherige Höchberger Gemeinderat wurde aufgelöst und die Mandate aufgrund des Wahlergebnisses vom 5. März neu verteilt. Dieses ansonsten für die NSDAP sehr erfolgreiche Verfahren brachte ihr in Höchberg aufgrund der starken SPD nicht den gewünschten Erfolg. Die NSDAP erhielt nur einen Sitz. Die übrigen Gemeinderäte der SPD und BVP wählten am 27. April Andreas Seubert zum Bürgermeister. Der Kandidat der NSDAP, Philipp Genheimer erhielt nur eine Stimme. Eine solche "Provokation" ließen sich die Nazis nicht gefallen und zwangen die neun Gemeinderäte von SPD und BVP, ihre Mandate aufzugeben. An ihre Stelle rückten dann NSDAP-Mitglieder. Am 12. Mai wurde der Landwirt Philipp Genheimer von den zehn anwesenden Gemeinderäten einstimmig zum Bürgermeister gewählt. Der neue Gemeinderat ernannte am 26. Mai Adolf Hitler und den Reichspräsidenten von Hindenburg zu Ehrenbürgern und benannte auch Straßen nach ihnen.

Nur noch gelegentlich konnten sich die Mitglieder der Höchberger SPD treffen und unternahmen dann z.B. Wanderungen durch den Gutenberger Wald. Die Ortsvereinsfahne wurde vom letzten SPD-Vorsitzenden Karl Fäth im Gebälk seines Dachstuhls verborgen und ist heute noch erhalten.

Besonders betroffen von den Nachstellungen der Nationalisten waren jüdische Mitbürger. Auswärtige Nazis schändeten am 9. November 1938 leider auch unter aktiver Beteiligung Höchberger Bürger die Synagoge und jüdische Häuser. Wer diesen Sturm überlebte, wurde später nach Theresienstadt deportiert und ermordet.

Als am 3. April 1945 die Amerikaner den Ort besetzten, war die Naziherrschaft über Höchberg endlich beendet.

Die Höchberger SPD von 1945 - 1970

In Höchberg sammelten sich nach Kriegsende die alten Sozialdemokraten um Ernst Keil. Die Amerikaner ernannten ihn zum Höchberger Bürgermeister; ein Amt, in dem er 1946 von den Bürgern in geheimer Wahl bestätigt wurde und das er bis 1964 ausüben sollte.

Unter der Leitung von Ernst Keil und unter Aufsicht von zwei Amerikaner trafen sich im Oktober 1945 ungefähr 20 alte Freunde im Sängerzimmer der Turngemeinde, um die Vorarbeit für die Gründung des SPD-Ortsvereins zu leisten. Am 1. Dezember konstituierte sich dann der SPD-Ortsverein. Erster Vorsitzender wurde Richard Wilhelm. Im Jahr 1947 umfasste die SPD bereits wieder fast 100 Mitglieder. Eine Juso-Gruppe war gegründet worden und die Arbeit der Arbeiterwohlfahrt wurde vom Vorstand aktiv unterstützt. Das Bemühen der SPD um die Verbesserung der zunächst sehr schwierigen Situation in Höchberg, das von 3000 auf 6000 Einwohner angewachsen war, wurde von der Bevölkerung anerkannt. Bei den Gemeindewahlen von 1946 bis 1966 erreichte sie immer die absolute Mehrheit.

Der SPD-Ortsverein konnte sich trotz der Wahlerfolge bis 1968 nicht wesentlich vergrößern. Obwohl die Ortsvereinsvorsitzenden Richard Wilhelm (1945-1953), Hans Hof (1953-1955), Boris Krukhof (1955-1956), Werner Michaelis (1956-1957), Hans Rohleder (1957-1962) und Walter Kranke (1962-1964) sich aktiv um die Parteiarbeit und das Vereinsleben bemühten, konnte erst unter Werner Hilleke (1964-1970) die Mitgliederzahl auf 130 erhöht werden.

Alois Medon, der seit 1954 stets einstimmig zum zweiten Bürgermeister gewählt worden war, gewann 1964 zwei Drittel der Höchberger Wählerstimmen und trat damit die Nachfolge Ernst Keils als erster Bürgermeister an. Alois Medon setzte die sozialdemokratische Arbeit zum Wohle aller fort und trug wesentlich zum infrastrukturellen Ausbau Höchbergs bei.

1969 nominierte die Höchberger SPD Werner Hilleke als Bürgermeisterkandidaten für die Nachfolge von Alois Medon.

Die Zeit von 1970 - 1998

Mit dem eindrucksvollen Ergebnis von 69,98% wurde Werner Hilleke zum 1. Bürgermeister und damit zum Nachfolger von Alois Medon gewählt. Mit Werner Hilleke prägte wieder ein Sozialdemokrat 24 Jahre lang die Geschicke der Gemeinde Höchberg. Die Höchberger Bürgerinnen und Bürger haben ihn in der Folge noch drei mal in seinem Amt bestätigt: 1976 als alleiniger Bewerber mit 96%, 1972 mit 69,14% und 1984 mit 72,83%. Werner Hilleke hat in dieser langen Amtszeit Höchberg zu einer der attraktivsten Gemeinden in der Region Würzburg entwickelt.

Für ein ganz wichtiges Ergebnis seiner Amtszeit halten wir Höchberger Sozialdemokraten, dass es Werner Hilleke mit der Unterstützung aller Höchberger Bürgerinnen und Bürger gelungen ist, während der Kreis- und Gemeinde-Gebietsreform in den siebziger Jahren die Selbständigkeit der Gemeinde Höchberg zu erhalten und damit die bürgernahe Selbstverwaltung für die Zukunft zu sichern.

Die Erhebung der Gemeinde Höchberg zum "Markt Höchberg" 1990 war die öffentliche Anerkennung der hervorragenden Entwicklung, die unsere Gemeinde unter der Leitung ihrer sozialdemokratischen Bürgermeister und Gemeinderäte durchgemacht hat. Als Dank für seine vielfältigen Leistungen für unsere Gemeinde verlieh der Gemeinderat des Marktes Höchberg Werner Hilleke die Ehrenbürgerwürde, als er 1994 in den Ruhestand trat.

Werner Hilleke konnte sich bei seiner Arbeit stets auf die tatkräftige Unterstützung einer starken SPD-Gemeinderatsfraktion stützen. Eine herausragende Rolle spielte hier viele Jahre Walter Clement, der 1994 nach Beendigung seiner kommunalpolitischen Laufbahn gleichfalls zum Ehrenbürger ernannt wurde.

Am 1. Mai 1994 übergab Werner Hilleke sein Amt als 1. Bürgermeister an seinen Nachfolger Peter Stichler, der mit 60,4% der Stimmen gewählt wurde. Peter Stichler, seit 1990 bereits 2. Bürgermeister, ist damit der vierte sozialdemokratische 1. Bürgermeister Höchbergs. Mit der ihm eigenen Dynamik hat Stichler sofort eine Vielzahl schwieriger Aufgaben angepackt, der Abwasserkanal in der Hauptstrasse ist eines der überzeugendsten Beispiele. Peter Stichler wurde im Jahre 2000 als alleiniger Bewerber mit 96,4% für weitere 6 Jahre im Amt bestätigt. Ein überzeugender Vertrauensbeweis für einen engagierten Kommunalpolitiker.

Eine wichtige Grundlage für die Arbeit der sozialdemokratischen Bürgermeister und der SPD-Gemeinderatsfraktion war und ist der Höchberger Ortsverein der SPD. Hier treffen sich Höchberger Bürgerinnen und Bürger aus allen Schichten der Bevölkerung. Im Vordergrund der politischen Arbeit in den Vorstandssitzungen, Mitgliederversammlungen, Arbeitskreisen und Diskussionsrunden steht die Höchberger Kommunalpolitik. Landes- und bundespolitische Themen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Bis 1978 war Max Kempf 1. Vorsitzender des Ortsvereins. Ihm folgte Günther Poschet, der sein Amt bereits ein Jahr später an Walter Müller weitergab. Günter Walpuski leitete den Ortsverein von 1986 bis 1988. An seiner Stelle übernahm der Rechtsanwalt Thomas Schelberg den Vorsitz. Von 1992 bis 1998 wurde der Ortsverein von Bernd Blümmert als 1. Vorsitzendem geleitet. Seit März 1998 bestimmt Wolfgang Knorr die Geschicke des Ortsvereins als dessen 1. Vorsitzender.

Neben der politischen Arbeit sieht der Ortsverein eine wichtige Aufgabe in der Teilnahme am öffentlichen Leben der Gemeinde, denn erfolgreiche politische Arbeit setzt den engen Kontakt mit den Menschen voraus. Der SPD-Ortsverein hat heute 150 Mitglieder und ist damit der mitgliederstärkste Ortsverein im Landkreis. Ein entsprechend gewichtiges Wort hat er bei überregionalen Entscheidungen mitzusprechen. Mit Sonja Ries, Peter Stichler und Werner Hilleke stellt die SPD drei Kreisräte. Werner Hilleke ist darüber hinaus Bezirksrat und Vorsitzender der SPD-Fraktion im Bezirkstag.

Die Zeit von 1998 bis heute

Im April 1998 folgte Wolfgang Knorr als neuer Vorsitzender des SPD-OV. Zu dieser Zeit hatte der Ortsverein ca. 135 Mitglieder. Schon da zeigte sich eine kontinuierliche Reduzierung der Mitgliederzahl gegenüber der 70er Jahre von einstmal über 160 Mitgliedern. Doch nicht die Parteipolitik sowohl auf örtlicher als auf Bundesebene sind daran schuld, sondern aufgrund des fehlenden Nachwuchses. Während die Altersstruktur immer höher wird sind es nicht mehr die Austritte die die Mitgliederzahlen senken. Das ist allerdings nicht nur bei der SPD der Fall, sondern bei anderen Vereinen auch.

Bis zum Jahr 2000 lief alles in geordneten Bahnen. Peter Stichler konnte seine Wiederwahl als Bürgermeister zusammen mit der SPD erfolgreich feiern. Doch der Siegesjubel war kaum verklungen, kam wohl die schwärzeste Stunde in unsere Vereinsgeschichte. Teils aus polemischen, teils aus persönlichen Gründen, spalteten sich 4 Fraktionsmitglieder vom SPD-OV ab und gründeten eine neue politische Vereinigung in Höchberg. Es waren bekannte Mandatsträger, die noch 1996 auf der SPD-Liste eine erhebliche Anzahl von Stimmen auf sich vereinigen konnten. Für die SPD in den Marktgemeinderat gewählt, übten sie bis zur Kommunalwahl 2002 ihr Mandat in ihrer neuen Gruppierung aus.

Doch nun zahlte sich der Zusammenhalt zwischen Bürgermeister, neuen Fraktionsvorsitzenden und OV-Vorstand aus und vor allem die Ehrlichkeit gegenüber den Mitbürgern. Mit einer sehr ausgewogenen Kandidatenliste konnten wir im Marktgemeinderat die 4 Austritte kompensieren und konnten mit 8 gewählten Gemeinderäten unsere alte Stärke wieder erlangen.

Neben all den Querelen aus dieser Trennung ging das Vereinsleben weiter und wir beteiligen uns weiterhin an gemeindliche Veranstaltungen und es gibt immer noch das beliebte Krackenfest auf der Scheckertswiese. Eine Neuerung gibt es beim Christkindlesmarkt, der seit 5 Jahren, zusammen mit den Musikfreunden Höchberg, auf dem Kirchvorplatz von „Mariä Geburt“, organisiert wird.

Die Kontinuität der Amtszeiten des Bürgermeisters (seit 1994) Fraktionsvorsitzende Jutta Schelberg (seit 2000) und OV-Vorsitzenden Wolfgang Knorr (seit 1998) machte es auch möglich, weiter erfolgreiche Kommunalpolitik für Höchberg und seine Bürger zu machen und vor allem auch umzusetzen.

Mittlerweile ist seit 2006 Peter Stichler in seiner 3. Amtsperiode als Bürgermeister für die SPD. Inzwischen konnte im Jubiläumsjahr wieder eine sehr ausgewogene und bürgernahe Kandidatenliste für die Marktgemeinderatswahl 2008 zusammengestellt werden, die Aussicht auf weitere erfolgreiche Kommunalpolitik sichert.

Seit der Kommunalwahl 2002 sind Peter Stichler und Sonja Ries im Kreistag vertreten, in dem Peter Stichler stellv. Fraktionsvors. für die SPD im Kreistag ist, während Sonja Ries vordergründig im Seniorenbeirat des Kreises tätig ist. Für die Kreistagswahl 2008 stellt der OV Höchberg 5 Kandidaten auf der Liste der Kreis-SPD.

Mit knapp über 100 Mitgliedern ist der OV weiterhin der Mitgliederstärkste SPD – OV im Landkreis. Wir werden zusammen mit Bürgermeister und Fraktion unseren Kommunalpolitischen Auftrag fortführen, erreichtes erhalten und Bestehendes sinnvoll verbessern.

Mit einem Festkommers am 23.11.07 feiert nun der SPD Ortsverein sein Hundertjähriges Jubiläum.